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Kryptowährungen in der Unternehmensfinanzierung Begrenzter Markt für Bitcoin-Unternehmensanleihen von PROF. DR. CARL HEINZ DAUBE 5. Februar 2019

Kryp­towäh­run­gen in der Unter­neh­mens­fi­nan­zie­rung Begrenz­ter Markt für Bit­coin-Unter­neh­mens­an­lei­hen

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Bit­coins wer­den nach wie vor viel und heiß dis­ku­tiert. Eig­net sich das digi­ta­le Zah­lungs­mit­tel auf Unter­neh­mens­ebe­ne für die Finan­zie­rung von Inves­ti­tio­nen ? Ein Über­blick über Mög­lich­kei­ten und Hin­der­nis­se.

Finanz­ma­na­ger haben die Auf­ga­be, nach Inves­ti­tio­nen Aus­schau hal­ten, die den Unter­neh­mens­wert stei­gern und mög­lichst kos­ten­güns­tig finan­ziert wer­den. Dazu kann man bei gege­be­nem Rating Finan­zie­rungs­al­ter­na­ti­ven ver­glei­chen, also bei­spiels­wei­se Prei­se für die Auf­nah­me von Fremd­ka­pi­tal in unter­schied­li­chen Wäh­run­gen und Zins­struk­tu­ren. So könn­te sich ein Finanz­ma­na­ger aus der Euro­zo­ne in US-Dol­lar finan­zie­ren, der Fremd­wäh­rungs­be­trag wür­de über einen Wäh­rungs­swap in Euro gedreht.

Transaktionsschnelligkeit und ‑sicherheit

Attrak­ti­ve Zeit­fens­ter für Anlei­he­emis­sio­nen exis­tie­ren nicht über Tage oder gar Wochen, son­dern sind von kur­zer Dau­er. Bei den gän­gi­gen Wäh­run­gen ist das unpro­ble­ma­tisch – es gibt für Anlei­hen und Wäh­rung fort­lau­fend Prei­se, zu denen Tickets über vie­le Mil­lio­nen sekun­den­schnell abge­wi­ckelt wer­den kön­nen.

Ob das bei Bit­coin genau­so mög­lich ist, scheint frag­lich. Das liegt einer­seits an der Tech­nik der Trans­ak­tio­nen, ande­rer­seits an der im Ver­gleich zu ande­ren Wäh­run­gen gerin­gen Liqui­di­tät und Markt­tie­fe. Und es fehlt der Wett­be­werb, sodass es zwi­schen ein­zel­nen Han­dels­plät­zen teil­wei­se erheb­lich Preis­un­ter­schie­de gibt. Daher soll­te Arbi­tra­ge ein­set­zen und die Preis­un­ter­schie­de besei­ti­gen. Das scheint bei der Kryp­towäh­rung bis­her nicht in gro­ßem Umfang erfolgt zu sein, was wie­der­um auf die Tech­nik der Geschäfts­ab­wick­lung zurück­zu­füh­ren sein dürf­te.

Sicherung, Wechselkurs und Volatilität

Finanz­ma­na­ger ver­fü­gen über Optio­nen, Futures, For­wards, Swaps und so wei­ter, um damit die gewünsch­te Struk­tur und das gewünsch­te Risi­ko einer Posi­ti­on abzu­bil­den. Mit der Ein­füh­rung eines Futures auf Bit­coin im Dezem­ber 2017 vom Chi­ca­go Board of Exchan­ge und der Chi­ca­go Mercan­ti­le Exchan­ge ist zumin­dest ein bör­sen­no­tier­ter Future-Kon­trakt kre­iert wor­den, der das Poten­zi­al hat, zum Manage­ment von Zins­ri­si­ken aus Bit­coin-Trans­ak­tio­nen geeig­net zu sein.

Der Erfah­rungs­zeit­raum ist aber zu kurz, um zu beur­tei­len, ob der Kon­trakt erfolg­reich ange­nom­men wur­de. In jedem Fall ist es ein wich­ti­ger Schritt für die lang­fris­ti­ge Imple­men­tie­rung des Bit­coin als Wäh­rung für Finanz­ma­na­ger und insti­tu­tio­nel­le Inves­to­ren.

Risiken einer Bitcoin-Finanzierung

Finanz­ma­na­ger bevor­zu­gen sta­bi­le Wäh­run­gen. Betrach­tet man die Kurs­ent­wick­lung für die Zeit Janu­ar 2012 bis Juni 2018 für Bit­coin gegen­über Euro, so fällt auf, dass erst 2017 die Kurs­schwan­kun­gen signi­fi­kan­ter wur­den. Das deu­tet auf eine höhe­re Vola­ti­li­tät hin. Bemer­kens­wert ist auch der Ver­gleich zu Euro und US-Dol­lar im glei­chen Zeit­raum.

Im Ver­gleich der Zeit­rei­hen zeigt sich, dass die Vola­ti­li­tät beim Bit­coin um ein Viel­fa­ches höher ist als bei Euro und US-Dol­lar. Bedenkt man zudem, dass es für den Bit­coin kei­ne liqui­den Deri­va­te zur Kurs­si­che­rung gibt, muss kon­sta­tiert wer­den, dass eine Finan­zie­rung in Bit­coin für Finanz­ma­na­ger gegen­wär­tig nicht ange­zeigt ist.

Wei­te­re Risi­ken bei einer Finan­zie­rung in Fremd­wäh­rung sind poli­ti­scher oder wirt­schaft­li­cher Natur oder erge­ben sich aus Geset­zes­än­de­run­gen oder neu­en regu­la­to­ri­schen Anfor­de­run­gen. Es kön­nen sich Risi­ken erge­ben, wenn Regie­run­gen den Han­del, Besitz oder Ein­satz der Kryp­towäh­rung unter­sa­gen. Auch wenn das fak­tisch regio­nal begrenz­te Aus­wir­kun­gen haben dürf­te, so geht von einem sol­chen Ver­bot eine Signal­wir­kung auf den gesam­ten Markt mit Kryp­towäh­run­gen aus, die zu Unsi­cher­hei­ten bei Inves­to­ren, Emit­ten­ten und ande­ren Markt­teil­neh­men füh­ren kann. Das wie­der­um kann höhe­re Kursauschlä­ge nach sich zie­hen.

Ausblick : Kryptowährungen als Finanzierungsinstrument

Finanz­ma­na­ger soll­ten bei Finan­zie­rungs­ent­schei­dun­gen dar­auf ach­ten, dass sie Finan­zie­rungs­kos­ten ein­spa­ren und so einen Betrag zur Stei­ge­rung des Markt­wer­tes des Unter­neh­mens leis­ten. Bei der Ver­wen­dung von Bit­coin als Finan­zie­rungs­wäh­rung ist das gegen­wär­tig noch nicht mög­lich, im Gegen­teil : Der Finanz­ma­na­ger wür­de damit für das betref­fen­de Unter­neh­men zusätz­lich Risi­ken ein­ge­hen ; die­se resul­tie­ren­den pri­mär aus den Wech­sel­kurs­ri­si­ken und der hohen Vola­ti­li­tät.

Per­spek­ti­visch ist es nahe­lie­gend, dass die eine oder ande­re Kryp­towäh­rung – das muss nicht zwin­gend der Bit­coin sein – die Posi­ti­on einer sta­bi­len und belast­ba­ren gro­ßen Wäh­rung mit einem liqui­den Markt für Kas­sa- und Ter­mi­n­in­stru­men­te ein­neh­men wird. Und eine sol­che Kryp­towäh­rung gehört dann als fes­ter Bestand­teil in die Tool­box der Finan­zie­rungs­in­stru­men­te eines Finanz­ma­na­gers.



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